Fast Ohne: Viel Flow und eine Portion Balance

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Das hier ist nur eine Vorschau.

Huiuiui! Dieser Flow hatte es – zumindest für mich – in sich! Wir hatten uns aber auch mal wieder eine ganz besondere Location ausgesucht: Südtirol, Schnalstal, Gletscher, 3000m Höhe, 6 Uhr morgens Sonnenaufgang. Wunderschön!

Was mir klar war: Es wird so früh am Morgen kalt werden … sehr kalt (unter 0°C).  Was mir nicht klar war: die Luft dort oben ist dünn. Langsames und tiefes Atmen war fast nicht möglich, zumindest für mich nicht. Ich nehme ja meine Folgen immer schon vorher auf und übe genau nach demselben Text, den ihr hier im Yogavideo hört. „Einatmen… lang und tief auuuusatmen…“. Das Atmen funktionierte nur leider nicht so, wie ich mir das in gewohntem Tempo vorgezählt hatte (vielleicht könnt ihr sehen, dass ich, vor allem im Sonnengruß, fast doppelt so schnell atme, wie ich zähle). Eine spannende Erfahrung!

Das veranlasst mich dazu, immer wieder zu betonen, dass jeder von euch seinen eigenen Atemrhythmus haben darf, auch wenn ich für die Einen zu schnell, für die Anderen zu langsam zähle. Mein „Anzählen“ dient lediglich der Inspiration zum tiefen Atmen. Meiner Erfahrung nach – und ich habe in den letzten 12 Jahren mehrere tausend Yogastunden gegeben – sinkt die Bereitschaft bzw. die Wahrnehmung für bewussten, tiefen ujjayi-Atem, sobald ich aufhöre, aktiv zu zählen. Deshalb finde ich es so wichtig, den Atem in Yogastunden anzusagen, etwas, was eine gut angeleitete Vinyasa Flow Yogastunde besonders macht und von anderen Yogastunden unterscheidet.

Warum finde ich einen bewusst verlangsamten, vertieften Atem so wichtig? Im Folgenden ein kleiner Exkurs:

Ihr habt schon in der Schule vom vegetativen bzw. autonomen Nervensystem (VNS) gehört. Es steuert z.B. Atmung, Verdauung, Kreislauf, Temperaturregulation, also die vom Bewusstsein weitgehend unabhängig verlaufenden lebenswichtigen Vorgänge innerhalb des Gesamtorganismus.  Ein Teil des VNS ist der Sympathikus. Er reagiert, wenn Action angesagt ist, macht den Organismus leistungsfähig (Arbeit, Leistungssport, Überleben, etc.). Das ist großartig und lebenswichtig. Wenn der Sympathikus aber seinem Kollegen, dem Parasympathikus, der für Entspannung zuständig ist, keinen Raum gibt, brennen wir aus.

In unserer schnelllebigen Welt, in der Stress, Burn-Out und Leistung keine Fremdworte sind, spielt es mittlerweile eine wichtige Rolle, den Parasympathikus wieder wachzukitzeln. Unsere „yogische Werkzeugkiste“ ist da eine wahre Wunder-Apotheke! Wir versuchen, sowohl auf körperlicher, als auch vor allem auf mentaler Ebene, unsere Wahrnehmung in Form von Achtsamkeit zu schulen. Wir fahren unser System herunter, geben dem Sympathikus eine Pause. Mit Meditation, Yoga Nidra, Pranayama, bewusster Verknüpfung von Bewegung und Atem.

Der ujjayi-Atem ist eine Technik, die man in der physiotherapeutischen Atemtherapie als „Atembremse“ bezeichnen würde. Durch die Engstellung der Stimmlippen wird sowohl die Einatmung als auch die Ausatmung ausgebremst und somit dazu angehalten, langsamer zu fließen. Das ist das Signal für den Parasympathikus: r u n t e r f a h r e n bitte schön…. .

Nun habe ich ja schon von einigen Yogis erfahren, dass dynamische Yogaformen wie z.B. Vinyasa Flow Yoga für sie ihre Alternative zum Sport darstellen. Das halte ich für falsch. Wir trainieren im Yoga keine Ausdauer, wir erbringen auch keine Leistung. Nein. Wir entschleunigen bewusst. Wir verlangsamen bewusst. Wir geben dem Parasympathikus Futter und schicken den Sympathikus in eine wohlverdiente Pause. Das geht bei einer kraftvollen Yogamethode wie dem Vinyasa Flow nur mit Hilfe eines bewusst eingesetzten Atems. Der ujjayi-Atem ist das perfekte Hilfsmittel dazu. Wer mit mir Vinyasa Flow Yoga übt, wird ihm nicht entkommen 😉 .

Ich wünsche euch viel Freude beim Flowen… don’t forget to breathe!

Eure Bärbel

Euch ist diese Folge zu schnell oder zu anstrengend? Übt doch unsere „Moonrise“-Folge (gratis) aus Peking. Sie ist nur mittelschwer und bereitet gut auf den Halbmond vor.