Faszien dehnen, Muskeln entspannen und tief eintauchen mit sanften Yin Yoga āsanas.

Ich kann mir meine regelmäßige Yogapraxis ohne Yin nicht mehr vorstellen. Yin Yoga ist wahrhaftig der perfekte Ausgleich zu allen muskelaktiven Yogastilen und -methoden.

Durch das lange Halten der Yin āsanas bei komplett entspannten Muskeln dringen wir in die tiefen Strukturen der Faszien ein. Dort wo Faszien oft am dichtesten sind, wo sie mit dem Älterwerden austrocknen und fest werden (in der Osteopathie sagt man auch „verfilzt“), z.B. in der Lendenwirbelsäule, den Leisten oder Hüftbeugern, können wir durch geduldiges und achtsames Üben mehr Geschmeidigkeit und Beweglichkeit erlangen – soviel zum körperlichen Aspekt des Yin Stils.

Auf der mentalen und energetischen Ebene ist Yin Yoga sehr viel herausfordernder als die kraftvolle, dynamische Yogapraxis. Es ist eine stille Hatha-Yoga-Praxis ohne Ujjayi-Atem, in die man ohne körperliche Anstrengung eintaucht – ähnlich wie in der Meditation oder in Savāsana: Gedanken tauchen auf und gehen wieder, wenn wir sie lassen, es ist wie ein Aufatmen, wenn Qi (oder Prana) beginnt, frei zu fließen.

Probiert es selbst, es macht süchtig!

Hinweise zur Yin Yoga-Praxis:
Da die Yin Yogahaltungen lange und teilweise mit rundem Rücken gehalten werden (ja, mit RUNDEM Rücken :)), ist diese Art der Praxis bei einem akuten Bandscheibenvorfall nicht zu üben! Bitte sprecht in diesem Fall und auch bei anderen Rückenbeschwerden mit eurem Arzt oder Physiotherapeuten, ab wann euer Körper dafür wieder einsatzbereit ist.

Übt jede Stellung schmerzfrei. Bei Schmerzen geht ihr gleich aus der Stellung heraus oder findet eine Variation, die für euren Körper funktioniert.

Funktion geht über Ästhetik.

Das Thema „Schmerz“ ist im Yin Yoga kein Tabuthema. LWS, Knie, Hüfte, Handgelenke, Nacken sind die typischen Körperteile, die der eine oder andere Yogi nach intensiver, meist jahrelanger Vinyasa-Yogapraxis spüren kann.

Beim Yin Yoga habt ihr die Zeit, so achtsam in die Stellungen zu gehen, dass ihr genau hinspüren könnt, wie euer individueller Knochenbau funktioniert.

Jeder kann bei täglicher Praxis irgendwann den vollen Lotus üben? Ich sage: Nein!!! Unterschiedliche Oberschenkelhalsknochen, unterschiedliche Hüftpfannen, unterschiedlich rotierte Oberschenkelknochen, bei jedem Menschen anders, bei manchen Menschen TOTAL anders. Lernt euren Körper kennen und übt für ihn, nicht gegen ihn.

Einige Namen der Yin Yoga āsanas lauten mit Absicht anders als wir sie aus den „Yang“-Stilen kennen. Somit ist klar, dass Yin, also muskelentspannt geübt wird. Aus Tarāsana (Sternhaltung) wird z.B. Butterfly.

Ich kann Fortbildungen bei Joe Barnett (sehr anatomieorientiert) und Josh Summers (Meridian- und Meditationsorientiert) nur wärmstens empfehlen. Paul Grilley ist natürlich der König der Yin Yogis (auch wenn er das nicht hören wollen würde).

Viel Spaß beim Üben! Yin Yoga rules!

Eure YOGAMOUR-Bärbel

Mit:
Bärbel Miessner (YOGAMOUR)

Gefilmt in der Villa Mandala von Surf Maroc (Aourir/Marokko)
Musik:
Intro: Bearagi by Jason KaliDas